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Die Bürgeriniative

Die meisten Verbrechen geschehen in Neschen

Hangstraße in Neschen schreckt mit Rekordzahl von Einbrüchen


11.02.2016 NEUSTADT. „Die Bewohner der Hangstraße im Neustadter Ortsteil  Neschen können sich inzwischen mit Handzeichen begrüßen: Zwei, drei oder vier ausgestreckte Finger zeigen die Anzahl der Einbrüche im eigenen Haus an“, so urteilt Anwohner Peter Vianden.

Was auf den ersten Blick wie Satire anmutet, ist traurige Realität. Denn der Ex-Bonner, der vor einem Jahr das enge Stadt- gegen das „idyllische“ Dorfleben getauscht und ein schmuckes Anwesen in der Hangstraße erworben hat, sieht sich mit insgesamt vier Einbrüchen als Spitzenreiter in der Hitliste der örtlichen Einbrüche an.

Gefolgt von Marlene Wirtgen mit drei Einbrüchen im vergangenen  Jahr und gleich mehren Haushalten, wie den von Marga Stümper, die bereits zwei Diebesbesuche zu verzeichnen hatte und jetzt für über 6000 Euro ihr Haus hat sichern lassen.

„Die Hangstraße, hat es in der Tat in sich, geradezu fällig für einen Eintrag ins Guinessbuch der Rekorde“, weiß Anwohner Hans Joachim Schmitz zu berichten. Seine aktuelle Umfrage unter den Bewohnern vor Ort brachte zu Tage, dass von den 17 Häusern, die sich im oberen Teil der Hangstraße befinden, alleine 11 Häuser insgesamt 21 Einbrüche zu vermelden haben! Gefolgt von der Blumenstraße, wo die Situation mit 8 Einbrüchen auch nicht viel „rosiger“ ist, als „Auf dem Platz“ der mit 5 Einbrüchen an dritter Stelle liegt. Aufsteiger ist derzeit der Ortsteil Scharenberg, der am 2. Weihnachtsfeiertag mit einem Einbruch und gleich vier Einbruchversuchen derart Aufsehen erregte, dass es Neschen und Scharenberg als Extrameldung sogar in die Südwestfunk Nachrichten gebracht haben.

Absolut sind es im Laufe der Jahre 36 Einbrüche gewesen, mit stark zunehmender Tendenz in den letzten zwei Jahren. „Das in einem Radius von nicht einmal 500 Meter, das ist zu viel, wir brauchen Hilfe“, ist der einhellige Tenor der Anwohner.

Dabei haben die Betroffenen bereits alles Mögliche getan, um sich selbst zu schützen. Insgesamt 56.200 Euro haben die Anlieger laut Umfrage in ihre Sicherheit investiert. Marlene Wirtgen war nach 3 Einbrüchen in Folge so entnervt, dass sie alleine 10.000 Euro für ihre Sicherheit investierte. Dass selbst zwei Hunde im Hause die Einbrecher nicht abschreckten, musste am 22. Dezember 2015 das Ehepaar Bungarten, das direkt in der Nähe zum Rastplatz wohnt, feststellen. Man zog Konsequenzen und hat eine teure Videoüberwachung installieren lassen.

Jetzt wollen die Bürger sich Hilfe holen: Den Anfang macht ein Besuch des Bundestagsabgeordneten Erwin Rüddel, der sich vor Ort über die Sachlage informieren und gemeinsam mit den betroffenen Anwohnern nach Lösungen suchen will. Rüddel, der selbst in der Nachbargemeinde Windhagen lebt, kennt die Region wie seine Westentasche und  hat schon viele Dinge in seinen Wahlkreis in Bewegung gebracht.


Unser Dorf soll sicher werden

Die Bürgerinitiative ist nach der letzten Einbruchswelle um die Jahreswende restlos verunsichert und befürchtet einen weiteren Anstieg von Einbrüchen. Die beiden Gemeinden Neschen und Scharenberg, nahe der A3, sind seit Jahren ohnehin durch die stetige Zunahme von Kriminalität, Lärm und Müll gebeutelt. Weiterhin gestresst von der hohen Lärm- und Umweltbelastung durch die Autobahn, die Rastanlage und die ICE-Trasse sowie die nahe gelegene Mülldeponie.


Die Nähe zur A3 ist einerseits ein Segen für die Verbandsgemeinde Asbach. Sie hat den vier Gemeinden große Gewerbegebiete und damit steuerliche Vorteile gebracht. Es gibt aber auch Schattenseiten dieser Verkehrsachse und die bekommen zurzeit vor allem die Neschener und Scharenberger zu spüren.


Denn diese Ortsteile von Neustadt/Wied liegen in unmittelbarer Nähe der Autobahnraststätte Fernthal. Und deren Parkplatzgelände, das oberhalb des Ortes liegt, erweist sich nach Ansicht der direkten Anwohner als idealer Ausspähplatz und Fluchtweg für Einbrecher. Zumal die offene „schwarze“ Ab-und Auffahrt zum Rasthaus geradezu als idealer Fluchtweg geeignet ist, um der aus der Gegenrichtung (Autobahn Richtung Köln) kommen müssenden Polizei aus dem Wege zu gehen.  

"Als wir am zweiten Weihnachtstag in den Südwestfunknachrichten von einer erneuten „Einbruchswelle“ in unseren Heimatorten hörten, ist das Fass zum überlaufen gekommen“, so Hans Joachim Schmitz.

Er ist der Sprecher der "Bürgerinitiative Neschen-Scharenberg", die sich 2012 schon einmal erfolgreich gegen die Erweiterung der Tank-und Rastanlage Fernthal gewehrt hat. Die Initiative hatte sich damals gebildet, um mit allen legalen Mitteln gegen die geplante Erweiterung vorzugehen. Danach plante der Landesbetrieb Mobilität Montabaur den Rastplatz von 36 Stellplätzen für Lastwagen auf 75 Plätze zu vergrößern. Hinzu sollten sieben weitere Busstellplätze (zurzeit drei), während die Parkplatzzahl für Autos von 175 auf 200 ansteigen sollte.

Um dies zu erreichen, sollte die Anlage an der Autobahn in Richtung Frankfurt nach Südosten und -westen um bis zu 30 Meter auf die Häuser zu erweitert werden. Diese hätten sich dann einer zehn Meter hohen Böschung gegenüber gesehen. Schon damals sei für die Anwohner der Lärm, der von dem Rastplatz herüberschallt, kaum zu ertragen gewesen.


„Das Motorengeräusch anfahrender Lastwagen und "das fröhliche Grölen" von Busreisenden mache ein Öffnen der Fenster kaum möglich“, so Schmitz. Ganz zu schweigen von den sommerlichen Grillpartys der am Wochenende auf dem Rastplatz zum Halten verurteilten Trucker, die ihre Essensreste und Flaschen nicht wie vorgesehen in die bereitstehenden Mülltonnen sondern die Böschung hinunter werfen. Ebenso machen viele Rastende nicht von der zur Verfügung stehenden Toilettenanlage Gebrauch und hinterlassen ihre Visitenkarte lieber unterhalb am Feldweg in Form einer Notdurft.

Das aber ist nicht die einzige Gefahr, die die Neschener auf sich zukommen sehen. "Die Tank- und Rastanlage Fernthal ist bereits jetzt für Kriminelle ein idealer Ausgangspunkt für Einbrüche und andere Straftaten. In einige Häuser wurde schon mehrfach eingebrochen, andere Bürger hatten mehr Glück und kamen nur mit Beschädigungen von Fenster und Türen davon", so Schmitz.

Grund genug für die rund 360 Betroffenen, sich zu wehren und mit kompetenten Politikern nach nachhaltigen Lösungen zu suchen. Einen Vorschlag, der nachhaltige Wirkung hat, haben die Anwohner schon favorisiert: Mit einer stabilen Abtrennwand entlang des Parkplatzgeländes wäre man gleich um drei große Probleme ärmer.

Einbruch (Ausspähpunkt und Fluchtweg), Lärm und Müll.


Unser Dorf soll sicherer werden!